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Frau sein. Was bedeutet das im Beruf?

Interview mit Anett Henck

Stellvertretende Gesamtleitung OP und Anästhesie in der Chirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD).

„Frauen haben oftmals zu viele Bedenken, man kann sich alles zutrauen. Ich persönlich bin als Frau froh, dass ich mit allen Kollegen um mich herum auf Augenhöhe agieren kann. Dafür bin ich sehr dankbar.“

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Ambitioniert – dynamisch – Pflegende!

„Gab es Herausforderungen im Pflegeberuf für dich als Frau?"

Anfangs gab es schon Klischees in meinem Berufsleben. Als Krankenschwester, die auch optisch dem Klischee entspricht, wird man gerne mal unterschätzt von Leuten, die einen nicht kennen. Was viele nicht wissen ist, dass ich einen Masterabschluss habe in Management und dann natürlich auch Erfahrungen mitbringe, die ich am Klinikum über die Jahre sammeln konnte. Der Aha-Effekt, wenn sie mit mir gearbeitet haben, kam dann aber im Nachhinein immer deutlich.

Als ich Fachbereichsleitung wurde, war ich noch sehr jung, da musste ich mich den Kollegen gegenüber auch erst unter Beweis stellen, dass man auch als junge Frau organisiert und qualifiziert arbeiten kann. Aber ich hatte am Anfang mehr Bedenken als Hürden.

„Hast du einen Rat für junge Frauen mit ähnlichen Ambitionen?“

Es gibt eine Aussage, die ich verinnerlicht habe: „Wen´s stört, der soll´s ändern!“ Der Aktivitäts- und Veränderungsgedanke dahinter hat mich sehr geprägt.

Wenn man vorankommen möchte, ist mein Tipp das immer früh zu kommunizieren – sagen, dass man „mehr“ möchte. Man sollte sich das immer zutrauen, meist sind die eigenen Zweifel unnötig.


„Du stehst auf Social Media aktiv für die Pflege ein, hattest du anfangs Sorge, dich öffentlich zu äußern?“

Irgendwann ging es in der Pflege zu oft thematisch um die negativen Seiten, dabei gibt es so viele Dinge, die positiv sind. Im Gespräch mit Freunden entstand dann die Idee, im Internet die positive Seite der Pflege zu Wort kommen zu lassen mit dem Projekt #ichweissdassichrichtigbin. Die Idee war gezielt zu zeigen: es verlässt nicht jeder die Pflege, sondern es gibt so viele Wege, um sich innerhalb des Berufes zu verändern, sodass wir gern bleiben.

Wenn man aktiv und öffentlich auf Social Media für Dinge einsteht, die man gut findet oder sich kritisch gegenüber etwas äußert, muss man immer mit Gegenwind rechnen und eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen. Man weiß nicht, wer hinter den Bildschirmen sitzt und sollte immer vorsichtig sein. Wenn man aber überzeugt ist von dem, was man unterstützt oder teilt, dann nimmt man auch diesen Gegenwind hin.

„Woher nimmst du die Kraft neben deiner Arbeit noch so viel Einsatz im Social Media Bereich zu zeigen?“

Ich versuche, meine Arbeit und Stress in Phasen einzuteilen. Ich mag den Umgang mit Menschen und die Kommunikation und ich ziehe aus dieser sinnstiftenden Arbeit einfach Spaß. Die Herausforderung und der Umgang mit Menschen geben mir daher sogar viel Energie zurück.

Die Arbeit, die ich zusätzlich in Social Media investiere, lohnt sich. Das Projekt zeigt, dass es genug Menschen in der Pflege gibt, die ihren Beruf sehr gerne ausüben und bleiben wollen. Dadurch hat sich eine Gemeinschaft gebildet und der konstruktive Austausch bietet Chancen.


„Was würdest du Frauen raten, die einen ähnlichen Weg wie du anstreben?“

Das besondere an der Pflege ist, dass der Beruf aufgrund seiner Flexibilität jede Lebensphase unterstützt. Gerade als Mutter, vor allem als Alleinerziehende kann der Schichtdienst von Vorteil sein. Es gibt flexible Arbeitszeitmodelle, wahnsinnig viele Bereiche, in denen man sich weiterentwickeln kann und nach der Elternzeit kann man sich wieder neu einbringen.

Aber trotzdem würde ich raten, sich Auszeiten einzuplanen und sich nicht dafür zu schämen. „Ruhe und Auszeiten einzufordern ist keine Schwäche, sondern kann eine Stärke sein – wenn man für sich einsteht, entsteht Resilienz, das ist die stärkste Kraft“.

Resilienz muss man lernen, ob in der Arbeit oder im Privatleben. Ich habe das auch erst lernen müssen. Man merkt neben der Euphorie für Dinge gar nicht, wenn andere Sachen daneben hinten runterfallen. Man sollte sich nicht selbst vergessen.


„Gibt es einen Motivationsspruch, der dich in deinem Handeln motiviert?“

Ich habe mal den Tipp bekommen, den ich heute noch anwende. Man sollte sich in einem Moment des Zweifels die Frage stellen: „Was ist deine Version und wie willst du diese erreichen?“. Frauen haben oftmals zu viele Bedenken, man kann sich alles zutrauen.

Ich persönlich bin als Frau froh, dass ich mit allen Kollegen um mich herum auf Augenhöhe agieren kann. Dafür bin ich sehr dankbar.